Zeit als Faktor bei der Tourenplanung

Bei der Tourenplanung spielt der Faktor Zeit eine große Rolle. Warum eine gute Zeitplanung die Grundlage der gesamten Tourenplanung bildet und wie ich den Zeitaufwand bei Wanderungen, Trekkingtouren und Bergtouren berechne, dass erfährst du hier in mehreren Artikeln. Heute geht es um die Zeitangaben im Wanderführer und um die Rolle der Höhenmeter und der Wegbeschaffenheit in der Planung.

Beim Nachmittagsspaziergang spielt die Zeitplanung so gut wie keine Rolle. Aber sobald es auf etwas längere Wanderungen oder gar Bergwanderungen oder Trekkingtouren geht, ist der Zeitfaktor eine der entscheidenden Größen für das Gelingen der Tour.

Gute (Zeit-)Planung ist die Grundlage einer sicheren Tour.
Gute (Zeit-)Planung ist die Grundlage einer sicheren Tour.

Zeitangaben im Wanderführer

Kauft man sich einen Wanderführer in der Buchhandlung und bezieht die in den Wanderbeschreibung angegebenen Daten in seine Zeitplanung ein, dann ist das schon mal ein erster Schritt. Aber auch schon bei diesen vermeintlich objektiven Angaben müssen die Daten auf die persönliche Situation heruntergebrochen werden.

Zuerst einmal werden in Wanderführern in der Regel die reinen Gezeiten angegeben. Das bedeutet, hier wird nur die Zeit gemessen, die man konkret wandernd unterwegs ist. Jeden Stop und jede Pause muss man individuell dazu rechnen. So ist man leicht schon mal sieben Stunden unterwegs, obwohl im Wanderführer nur viereinhalb Stunden angegeben waren.

Eine Faustformel kann man hier kaum nennen, denn der zusätzlicher Zeitaufwand ist im Einzelfall sehr unterschiedlich. Ein Picknick als Mittagspause ist bei einer Wanderung auch schon mal nach einer halben Stunde gegessen. Bei regnerischem Wetter geht es oft noch schneller, da man sich ungern länger niederlässt. Kehrt man aber in einem Restaurant ein, dann kann es, je nach Betrieb, auch schon mal anderthalb Stunden oder länger dauern, bis man die Wanderung fortsetzen kann.

Hat man nach hinten hinaus genügend Zeit, ist das natürlich weniger ein Problem. Muss man aber einen bestimmten Bus oder Zug bekommen oder wird es möglicherweise – wie im Winterhalbjahr – früh dunkel, dann ist eine genaue Zeitplanung entscheidend – und möglicherweise noch wichtiger als das Erste-Hilfe-Set.

Bei der Zeitplanung hilft ein Zettel, auf dem man sich mehrere Zwischenstationen und die geplanten Ankunftszeiten dort notiert. Und natürlich ist dabei sehr wichtig, den eigenen Zeitplan – ob mit der Rolex, dem Smartphone oder der Billiguhr – immer im Auge zu behalten.

Wer benötigt wieviel Zeit?

Bei einem gedruckten Wanderführer kann es auch noch andere Fehlerquellen für die Zeitplanung geben. Nach meiner Erfahrung geben viele Autoren die Zeit für ihre vorgestellten Wanderungen zu kurz an. Das mag verschiedene Gründe haben. Vermutlich sind diese Autorinnen und Autoren, wenn Sie beruflich Wanderführer schreiben, sehr fit und laufen die Strecken deutlich schneller ab, als der wandernde Leser das tut.

Manchmal beschleicht mich aber auch der Verdacht, dass die Autoren dem Leser zeigen wollen, wie schnell sie selbst diese Strecke absolvieren konnten. Solche Profilierungen sind aber komplett fehl am Platz und vor allem im Gebirge kann das auch gefährlich werden. Denn wenn der unerfahrene Wanderer sich von zu kurz angegebenen Zeiten täuschen lässt, kann er leicht in Gefahr geraten – entweder, weil er in die Dunkelheit gerät, weil er nicht genügend Proviant dabei hat oder weil er körperlich für die Länge der Tour nicht gerüstet ist.

Zeit-Plan: Wer die letzte Bahn verpasst, hat ein Problem!
Zeit-Plan: Wer die letzte Bahn verpasst, hat ein Problem!

Tipp: Wanderführer erst mal testen

Bist Du mit einem neuen Wanderführer in einer Region unterwegs, dann plane mit viel Reserve nach hinten raus, nimm Dir erst mal eine kürzere Tour vor und vergleiche, wieviel Zeit im Buch angegeben ist, und wie lange Du selbst gebraucht hast. So bekommst Du einen guten Eindruck, ob der Autor oder die Autorin deutlich schneller war, oder ob die Angaben im Führer in etwa für Dich passen.

Die Zeit selber berechnen

Nun kann sich der Wanderer oder Bergsteiger natürlich aus einer Karte die Entfernungen und Höhenmeter auch selbst herauslesen und -messen. Zur Berechnung des Zeitbedarfs gibt es dann entsprechende Formeln. Dabei ist zu beachten, dass man nicht nur mit der reinen Länge der Strecke rechnet. Im sanften Hügelland oder in der Ebene kann man über die Streckenlänge ganz gut eine realistische Zeiteinschätzung bekommen. Hier nimmt man meist, je nach Gelände, 4 oder 5 km als zurückzulegende Strecke innerhalb einer Stunde an. Flotte Wanderer schaffen auch 6 km oder im sportlichen Bereich sogar 7 km pro Stunde. Kommen aber Steigungen und steile Gefällstrecken hinzu, müssen auch die Höhenmeter in die Gehzeitberechnung mit einbezogen werden. Wie das geht, beschreibt dieser Artikel zur Gehzeitenberechnung.

Bei Touren im Hochgebirge, in anderweitig steilem Gelände oder bei schwierigem Untergrund wie z.B. am Strand, auf Sandwegen, auf schmalen naturnahen Pfaden oder auf felsigen Steigen braucht man deutlich mehr Zeit für die geplante Tour.

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