Klettersteig: Grundlegende Infos für Einsteiger

Klettersteiggehen ist mittlerweile sehr populär. Trotzdem gibt es gerade in diesem Bergsportbereich sehr viele Missverständnisse. Die einen halten jeden drahtseilversicherten Steig für einen Klettersteig, die anderen halten jeden Klettersteig für eine extreme alpinistische Herausforderung.

Klettersteige werden immer beliebter.
Klettersteige werden immer beliebter.

Die Wahrheit liegt wie so oft in der Mitte und die Anforderungen zum Klettersteiggehen sind extrem breit gestreut. Grundsätzlich gibt es drei verschiedene Arten von Klettersteigen … und eine, die nur ein Klettersteig zu sein scheint:

1. Alpiner Klettersteig:

Alpine Klettersteige sind Kletterrouten mit alpinem Charakter, die durch ein Drahtseil und weitere Installationen versichert und entschärft sind. Klassische alpine Klettersteige sind meist weniger steil als die modernen Sport-Klettersteige. Besonders anspruchsvolle Passagen sind hier auch mit Leitern, Griffen und Tritten entschärft. Für die Begehung ist eine Klettersteigausrüstung mit Klettersteigset, Gurt und Helm angesagt.

2. Sport-Klettersteig:

Sportklettersteige sind in der Regel anspruchsvoller als klassische alpine Klettersteige. Sie sind zwar auch mit Drahtseilen gesichert, aber selbst schwierige Passagen müssen meist ohne installierte Hilfsmittel geklettert werden.

Klettertechnik, Armkraft und Klettersteigausrüstung gehören hier zur Grundausstattung.

3. Fun-Klettersteig:

Die Fun-Klettersteige sind meist relativ kurz und haben oft wenig alpinen Charakter. Dafür sind sie im Verlauf spektakulär angelegt, führen durch Schluchten und Steilwände und sind eher auf den kurzfristigen Kick ausgerichtet.

Dafür ist in der Regel sehr viel Sicherungsmaterial verbaut. Es gibt auch viele Tritthilfen. Die Routen folgen nicht dem natürlichen Verlauf einer Kletterroute, sondern sollen möglichst spektakulär sein.

Um die Fun Klettersteige aufzupeppen, gibt es häufig auch Installationen wie Seilbrücken oder Seilrutschen. Alpine Erfahrung ist hier meist nicht vonnöten, Klettersteigausrüstung jedoch schon.

4. Versicherter Steig:

Die versicherten Steige sind eigentlich keine Klettersteige, werden aber von vielen mit Klettersteigen verwechselt. Hier geht es um anspruchsvolle Bergsteige, die an besonders ausgesetzten Stellen mit Drahtseilen versehen sind.

Klettersteigausrüstung wird hier in der Regel nicht eingesetzt. Es gibt aber auch alpine Routen, die teilweise mit Drahtseilen abgesichert sind. Diese sind nicht zu unterschätzen, denn sie können insgesamt extrem herausfordernd sein. Ein Beispiel ist der Jubiläumsgrat auf die Zugspitze, der an einigen Stellen mit Drahtseilen versichert ist, aber trotzdem eine sehr gute Kondition und Klettertechnik sowie ein Höchstmaß an alpiner Erfahrung erfordert.

Klassifizierung

Für die Anforderungen von Klettersteigen gibt es verschiedene Klassifizierungs-Systeme die versuchen, die komplexen Anforderungen an Klettertechnik, alpine Erfahrung und Ausdauer zu strukturieren und klar darzustellen.

Stürze im Klettersteig

Anders als beim Sportklettern ist ein Sturz am Klettersteig unbedingt zu vermeiden. Das Klettersteigset samt Seilbremse ist wirklich nur ein Lebensretter für den äußersten Notfall, wie der Airbag im Auto.

Das kurze Seil kann Stürze kaum abfedern. Und die Abstürze können im Klettersteig schnell auch mal 5 m oder mehr Fallhöhe haben. Wer vor der nächsten Zwischensicherung stürzt, der rauscht am Drahtseil ungebremst bis zur vorherigen Zwischensicherung durch und wird dort extrem hart abgebremst.

Zusätzlich zu diesen extremen Ruck gibt es in der Sturzbahn neben den Felsen noch jede Menge Metall, dass zu üblen Verletzungen führen kann.

Klettersteigbremse & Stoßdämpfer

Um den heftigen Ruck wenigstens einigermaßen zu bremsen, sind Klettersteigsets mit sogenannten Fallstoßdämpfern (EAS = Energy Absorbing System) ausgestattet. Heute benutzt man eigentlich nur noch die sogenannten Band-Falldämpfer. Es handelt sich hier um ein in Schlaufen gelegtes und mehrfach vernähtes Band, dass bei einem Ruck aufreißt und so den Sturz bremst.

Die früher üblichen Reibungs-Falldämpfer, die mit unterschiedlichen Seilbremsen ausgestattet waren, sind nach heutiger Lehrmeinung nicht mehr zu verwenden. Damit entfällt auch die unterschiedliche Handhabung von V-Systemen und Y-Systemen.

Vernähte Falldämpfer funktionieren in jedem Zustand gleich, während die früheren Seilbremsen schon durch unterschiedliche Feuchtigkeit am Seil sehr verschiedene Bremswirkungen entfaltet haben.

Beim Band-Falldämpfer gibt es auch kein störendes Bremsseil, und man erkennt auf den ersten Blick, wenn schon mal ein Sturz damit stattgefunden hat. Nach jedem Sturz sollte der Falldämpfer ausgetauscht werden. Bandfalldämpfer stellen immer ein Y-System dar, in dem beide Karabiner ins Drahtseil eingeklinkt und dort mitgeführt werden müssen. Auf keinen Fall darf man mit einem Karabiner am Seil gehen, während der andere in die Materialschlaufe eingeklinkt ist.

Steigen und Nachsichern

Das Klettersteigset bindet man mit einem Ankerstich in den Anseilpunkt des Hüftgurts sein. Während des Kletterns am Klettersteig sollte sich immer nur eine Person zwischen zwei Ankerpunkten befinden. Anderenfalls kann bei einem Sturz die nachfolgendem Person mitgerissen werden. Aufgrund des überwiegend steilen Geländes ist ein Helm im Klettersteig obligatorisch.

Bei geführten Touren oder in leistungsmäßig sehr gemischten Gruppen kann mit einem Seil zusätzlich nachgesichert werden. Durch die Zwischensicherungen der Drahtseile hat man viele praktische Anseilpunkte zur Verfügung. Hier kann man gut über HMS (Halbmastwurfsicherung = mit HMS-Karabiner und HMS-Sicherungsknoten) nachsichern. In beliebten Routen führt das Nachsichern aber häufig zu Unwillen bei anderen Kletterern, da das das Verfahren natürlich relativ zeitaufwendig ist. Deswegen sollte man sich damit auf wenige Schlüsselstellen beschränken.

Übrigens …

… eine schöne und leicht erreichbare Tour für Einsteiger ist der Klettersteig Riffelscharte unterhalb der Zugspitze.

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