Früher war ein Fahrrad einfach ein Fahrrad. Diese Zeiten sind lange vorbei. Heute gibt es unzählige Modellklassen mit verschiedensten Eigenschaften. Hier beleuchte ich die Hauptgruppen Trekkingbike, Mountainbike, Gravelbike und Rennrad auf ihre Tauglichkeit für mehrtägige Radtouren.

Das E-Bike ist eigentlich keine eigene Klasse, aber zumindest Mountainbikes und Trekkingbikes werden heute oft mit dem Elektromotor unterstützt. Bei Gravelbikes und Rennrädern ist das (noch ?) seltener der Fall.
Übrigens eignen sich begrenzt natürlich z.B. auch City-Bikes oder Falträder für Radtouren. Diese Touren werden aber meist kürzer ausfallen und ohne Übernachtungen sein, da diese Räder ihre Stärken auf anderen Gebieten haben.
Wie unterschiedlich sich – auch ansonsten sehr ähnliche – Fahrradmodelle für längere Radtouren eignen, habe ich gerade in einem anderen Artikel beschrieben. Dort habe ich die E-Bikes Lankeleisi KETT-8 und das Lankeleisi GOLF-X verglichen. Die Spezifikationen von Motor, Antrieb, Akku etc. sind fast gleich. Aber während letzteres seine Stärken in der Stadt und beim Transport ausspielt, ist ersteres auch für Radtouren geeignet.
Wie gut eignet sich das Trekkingbike für längere Radtouren?
Das Trekkingbike oder Trekkingrad ist vermutlich am breitesten aufgestellt, wenn es um die Eignung für eine längere Radtour im klassischen Sinne geht. Es ist quasi – und das lässt der Name schon vermuten – für mehrtägige Radtouren konstruiert.
Die Sitzposition ist vergleichsweise komfortabel und ermüdungsarm. Der Sattel ist bequemer als bei den drei sportlichen Konkurrenten und das Trekkingbike ist meist von Anfang an mit einem stabilen Gepäckträger ausgestattet.
Beleuchtung und Schutzbleche sind nicht immer vorhanden, können aber leicht nachgerüstet werden. Das verbessert die Einsatzmöglichkeiten bei Dunkelheit und Nässe.
Das Trekkingbike hat relativ große Räder – oft um die 28 Zoll und die Reifen weisen eine mittlere Breite auf. Das sorgt für guten Geradeauslauf, auch auf Feldwegen oder Forstpisten mit nicht perfekt befestigtem Untergrund.
Beim Trekkingrad sollte eine gute Gangschaltung verbaut sein. Dabei kommt es nicht so sehr auf die Menge der Gänge bzw. Zahnkränze an, sondern auf Zuverlässigkeit und Solidität. Häufiges Zwischenschalten ist auf der Radtour weniger nötig, als bei einem Radrennen oder einem MTB-Contest.

Wichtig ist beim Trekkingrad – und das besonders auf längeren Radtouren – dass die Rahmengröße zum Fahrer oder der Fahrerin passt. Da man viel in unveränderter Sitzposition fährt, sollten auch Lenker und Sattel optimal eingestellt sein, um Ermüdungen und Verspannungen zu vermeiden.
Welche Rolle spielt der Elektroantrieb?
Unter der Überschrift E-Bike finden sich Modelle wieder, die als klassische Trekkingräder oder Mountainbikes konstruiert sind, aber einen zusätzlichen elektrischen Antrieb haben. Der Akku verschwindet bei modernen Modellen meist im Rahmen und bis auf den Motor erkennt man auf den ersten Blick kaum einen Unterschied zwischen Bio-Trekkingrad und E-Trekkingrad.
Andere Modelle – wie z.B. das oben schon mal erwähnte Lankeleisi KETT-8 – sind schon beim Entwurf des Rahmens als E-Bikes gedacht worden und ohne zusätzlichen Antrieb schwer vorstellbar. Auf diese gehen wir hier aber nicht genauer ein.
Jedenfalls … sehr beliebt sind heute Trekkingräder und MTBs als Pedelecs. So nennen sich die verbreiteten Modelle, die ohne Führerschein und Versicherung gefahren werden können und bei 25 km/h ihre Unterstützung ausschalten. Man muss selber in die Pedalen treten, wird dabei aber quasi permanent angeschoben.
Der Elektroantrieb beim Trekkingrad, aber auch beim im nächsten Kapitel vorgestellten Mountainbike, erfordert einige Beachtung, wenn es um Radtouren geht. Gewicht des Fahrrades, Reichweite, aber auch Zuladung werden plötzlich Thema.
Damit man die geplante Radtour – je nach Länge – aber auch gut unterstützt zu Ende bringen kann, gibt es einiges zu beachten. Dazu findet man diverse Tipps im Artikel E-Bike Akku Reichweite steigern. Und bei der Berechnung der Reichweite unter verschiedenen Bedingungen hilft der Reichweitenassistent.
Das Gewicht der Pedelecs ist natürlich höher, als bei einem klassischen Trekkingbike oder Mountainbike. Motor und Akku kommen dazu, aber auch Rahmen und Bremsen müssen stärker ausgeführt sein, um das erhöhte Gewicht zu tragen und abzubremsen. Und bei mehrtägigen Radtouren kommt ja auch noch das Gepäck dazu.
Aus diesem Grund sind Fahrräder, die nachträglich mit einem Elektroantrieb versehen wurden, meist nicht für eine längere Radtour geeignet. Bremsen und Rahmen werden dadurch sowieso schon stark beansprucht, und wenn dann noch Gepäck hinzu kommt oder holprige Wege, dann sind Rahmen und Bremsen schnell überfordert.
Das Gesamtgewicht kann auch ein Problem werden, wenn man sein Gefährt lange Treppen hinauftragen muss, z.B. an Bahnhöfen. Auch das Einladen in den Zug kann mühsam sein. Dafür fällt das Mehrgewicht beim Radeln selbst kaum inś Gewicht, solange der Akku genug Strom liefert.
Mehr Tipps zum Thema Pedelec-Radtouren gibt es unter Radtouren mit dem E-Bike. Und wir widmen uns hier der nächsten Modellgruppe …
Wie gut geht eine Radtour mit dem Mountainbike?
Eine Radtour mit dem MTB kann gut funktionieren – unter ein paar Voraussetzungen. Und manchmal ist das Mountainbike sogar eine sehr gute Wahl. Nämlich, wenn man in seine Radtour auch unbefestigte Wege wie Wanderwege oder Single-Trails einbauen möchte, auf denen andere Fahrräder weniger gut zurecht kommen.
Aber was schränkt die Eignung des Mountainbikes bei Radtouren ein?
Mountainbikes haben meist keinen Gepäckträger. Manchmal lassen sich bei Hardtails (MTB ohne Federung an der Hinterradgabel) normale Gepäckträger anschrauben, wenn die Gewinde dafür schon angebracht sind. An sonsten nimmt man Gepäckträger-Modelle, die mit Klammern oder Schellen flexibel angebaut werden können. An diese Gepäckträger kann man auch Satteltaschen hängen.

Fullys (MTB mit Federung an der Hinterradgabel) machen da mehr Probleme. Hier kann man nur kleinere Gepäckträger direkt an die Sattelstütze montieren. Die sind aber für Satteltaschen nicht geeignet. Und das Gepäck für eine längere Radtour im Rucksack zu transportieren, ist sehr mühsam. Daher eignen sich Fullys nur schlecht für Radtouren, Hardtails aber schon.
Reifen von Mountainbikes sind oft breit und grobstollig. Das kann den Rollwiderstand erhöhen und das ausdauernde Radeln behindern. Man kann sich aber behelfen, indem man den Reifendruck relativ hoch hält. Und ggf. kann man vor der Radtour andere Reifen mit besser laufendem Profil aufziehen. Bestimmte MTB-Reifen besitzen an der höchsten Stelle der Lauffläche einen Steg, der beim Geradeausfahren dafür sorgt, dass der Rollwiderstand gering bleibt.
Grundsätzlich spricht aber nichts gegen eine Radtour mit dem Mountainbike. Für mich ist das meist schon deshalb erste Wahl, weil ich dann eine größere Auswahl an Wegen habe, wenn ich vor Waldpfaden und Graswegen keine Angst haben muss. Aber den schmalen und harten Sportsattel tausche ich bei Radtouren gegen einen breiteren und bequemeren Sattel aus.
Rennrad und Gravel-Bike für die Radtour?
Natürlich kann man mit Rennrad und Gravelbike auch Radtouren unternehmen. Beides sind aber recht spezielle Sportgeräte, die eher für das Fahren ohne Gepäck konstruiert sind. Dabei ist das klassische Rennrad eigentlich nur auf befestigtem Untergrund wie Asphalt wirklich zu hause.
Das Gravelbike – wie der Name vermuten lässt – fühlt sich aber auch auf Schotterwegen und weniger gut befestigten Wegen wohl. An die Kompetenzen des MTB kommt es hier natürlich nicht heran, ist aber auf befestigten Wegen dann wesentlich schneller und sportlicher als letzteres.
Auch die dem Rahmen und Lenker entsprechende Körperhaltung ist mehr auf Schnelligkeit und weniger auf Bequemlichkeit und Ermüdungsfreiheit ausgelegt. Man sollte also schon regelmäßig Rennrad gefahren sein, bevor man sich auf eine längere Tour damit begibt.

Die Zuladung von Gepäck ist ungünstig, nicht nur wegen des fehlenden Trägers. Rennrad und Gravelbike sind bzgl. Rahmen und Anbauteile sehr leicht und sportlich konstruiert, und hohe Zuladung ist nicht vorgesehen. Auch für die Sattelstützen dieser „Rennpferde“ gibt es Träger, allerdings mit wenig Zuladung. Aber wer als geübter Rennradler nicht viel braucht und im Hotel übernachtet, oder wer sein Gepäck transportieren lassen kann, der kann natürlich auch die Radtour gut mit dem Rennrad oder Gravelbike machen.
Fazit
Am besten eignen sich Trekkingräder für mehrtägige Radtouren – und Mountainbikes, wenn man ein paar Dinge beachtet.
Mit Gravelbikes und Rennrädern sind mehrtägige Radtouren mühsam. Trotzdem ist natürlich jeder selbst seines Glückes Schmied. Man sollte sich nur vorher überlegen, auf was man sich einlässt.